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Platypus

Wie funktioniert eigentlich…?

In den zwei Jahren, von der Idee zum ersten Hammerschlag, war ich ständiger Gast in der Stadtbücherei und diversen Buchhandlungen mit Leseecken. Nach vielen Milchkaffees hatte ich dann irgendwann eine gewisse Vorstellung davon, wie so ein Haus eigentlich aufgebaut ist. Mir hilft am meisten das angucken. Vor allem auf Fachmessen lassen sich eine Menge Ideen in kurzer Zeit holen.

Weiterhin helfen Gespräche mit Menschen die schon mal etwas gebaut haben. Vorsicht vor den Dementoren! Miesmacher sind weitverbreitet, sei es aus Frust, Neid, Angst oder was auch immer. Man sollte immer hinterfragen, welche tatsächlichen Erfahrungen die Leute haben, ein Stahlbauer wird bei GFK immer die Nase rümpfen. Im Grunde ist das neben der Finanzierung die grösste Herausforderung. In den zwei Jahren Bauzeit kamen auf hundert Skeptiker, zwei Menschen die sowohl Sachverstand als auch die nötige Phantasie hatten!

Ein Heim für Elche!

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Das erste Modell, die Realität sieht jetzt ganz anders aus.

Einer der ersten Gedanken war, eine fertige Gartenlaube, Holzhütte oder ähnliches auf einen Schwimmkörper zu setzen.
Falunrote Schwedenhäuser mit Grasdach fand ich schon immer sehr schnuckelig. Die Suche nach einem passenden Bausatz verlief aber aus verschiedensten Gründen ergebnisslos. Ein Problem war das Hausuntypische Längen/Breitenverhältniss von 2.5:1, ökologische Bauweisen sind für viele Hersteller nicht erstrebenswert und es macht natürlich auch mehr Spaß sein eigenes Haus zu entwerfen.
So entstand dann das Modell eines 10mx4m grossen Schwedenhauses, auf zwei 14.5m langen Schwimmpontons.

no plans, no worries!

Da ich kein grosser Zeichner bin, existiert kein Generalplan, sondern jeweils nur einfache Skizzen für die Materiallisten.
Wenn man sich ständig mit so einem Projekt beschäftigt, hat man irgendwann auch alle Maße im Kopf. Außerdem wollte ich ja selber bauen und so muss sich kein Handwerker in die Materie einlesen.
Nach Baubeginn konnte ich einen sehr günstigen Posten Thermopenscheiben aus einer Konkursmasse erstehen. Dadurch entstand die Idee grössere Festglasflächen zu bauen. Desweiteren reifte der Gedanke einer Dachterrasse immer mehr. Dies passte natürlich nicht mehr zum Schwedenhauscharakter, aber wenn man keinen Plan hat, muss man auch keinen ändern. So wurde das Dach flach, die Fensterflächen grösser und die Aussenverschalung wanderte um 90° in die Horizontale.

Das fünfte Element

Die Bauart des Hauses stand sehr schnell fest. Es sollte in diffusionsoffener Holzelementbauweise entstehen. Holzrahmen (1,20X3,00m) werden einseitig mit OSB-Platten beschichtet. Diese Spanplatte bildet die spätere Innenseite. Gedämmt wird mit Hanfwolle. Auf die Aussenseite kommt eine Klima-membranfolie, die Wasser von Aussen abhält, aber Feuchtigkeit aus dem Innern verdunsten lässt.

Ein Platz an der Sonne

Irgendwo muss das Haus natürlich gebaut werden. Unter freiem Himmel ist dies hierzulande wohl nur schwerlich möglich, deshalb muss eine Halle her.

Die Scheune von Bauer Paulus in Erkelenz

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Ideal wäre eine beheizte Werfthalle,mit Kran oder Slipanlage, am Gewässer seiner Wahl.
Im Raum Köln hätte so eine Halle allerdings 300 Euro monatlich gekostet.  Da ich im Vorfeld weder den tatsächlichen Zeitaufwand, noch meine Motivation abschätzen konnte, habe ich mich entschlossen eine Scheune ausserhalb von Köln zu mieten. Dort zahlte ich 100 Euro für 80qm pro Monat. Ursprünglich wollte ich dort nur die einzelnen Elemente vorfertigen und dann am Wasser endmontieren, aber es macht einfach mehr Spaß ein “Haus” zu bauen als ein Stückchen Wand.
Nach einem Gespräch mit Colonia, einem Kölner Schwertransport-unternehmen, fiel der Entschluss, das Haus als Ganzes zu bauen. Die Maximalmaße waren somit vorgegeben: 3.25m Höhe und 4.10 Breite , die Länge von 10m ist sowieso kein Problem.
Kosten soll der Transport dann etwa 1000 Euro netto, inklusive Genehmigung und Polizeieskorte. Die Realität sah dann leider etwas Anders aus.

Hausboot mit 80km/h über Grund

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Der Transport war eine aufregende Sache. Zunächst wurde das Haus in der Halle, mit Wagenhebern, auf vier kleine Panzerrollen gestellt. Bauer Paulus hat dann seinen Lieblingstrecker vorgespannt und das Ganze mit viel Gefühl aus der Halle gezogen. Nun musste das Haus noch gedreht und etwa 1.10m hochgebockt werden, damit der Tieflader drunterfahren konnte. Dieser hat es dann mit seiner Hydraulik von den Paletten gehoben. Um 22.00Uhr ging es dann mit Polizeieskorte die rund 50km ins nächtliche Köln. Mit Blaulicht und 80km/h waren die roten Ampeln kein Problem und so stand das Haus um 2.30Uhr im Hafen.  Gekostet hat der Transport am Ende übrigens  nicht 1000 Euro, sondern wegen einiger “Missverständnisse” 1600 Euro. Ich kann Colonia aus mehreren Gründen überhaupt nicht weiterempfehlen und werde zum Kranen eine andere Firma beauftragen. Trotzdem war es ein einmaliges Erlebnis!

Schwimmt das denn auch?

Unter erschwerten Bedingungen
Unter erschwerten Bedingungen

Die Schwimmer entstehen aus 9mm Multiplexsperrholz, welches mit Glasfaser und Epoxid beschichtet wird. Insgesamt entstehen acht, je drei Meter lange Sektionen, zwei Bug- und zwei Heckteile. Die einzelnen Sektionen sind wie bei der “Titanic”  durch Schotten getrennt (allerdings über die GESAMTE Höhe) und durch Bodenluken im Fussboden bekriechbar.

Warten auf Hochwasser…

Im September 2004 kam das Haus per Schwertransport nach Köln. Dort ruhte es zunächst noch auf Metallböcken, ehe im Sommer 2005 die Schwimmer entstanden. Seit Oktober 2005 ist es nun schwimmfähig. Um den Kran zu sparen beschloss ich zumindest das Frühjahr abzuwarten um ein evt. Hochwasser zum Wassern zu nutzen. Aus dem Frühjahr wurde dann der Dezember 2007! Ein Hochwasser war immer noch nicht in Sicht, aber auf der Werft tummelten sich drei 250t Kräne gleichzeitig, von denen mich einer in der Mittagspause ins Wasser hievte.

Werft~058
04. Dezember, 2007, mein Herz schlägt bis zum Hals.
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