Mein Projekt
Mein Name ist Jörg und am 14.10.1969 nahm mich das Leben mit auf die Reise.

Wasser hat schon immer eine magische Wirkung auf mich gehabt. Es gab kaum eine Reise, die nicht eine Fährüberfahrt beinhaltete. Wo immer sich die Gelegenheit bot, wurde eine Bootsfahrt gemacht. 1994, beim beobachten der Segelyachten im Hafen von Bonifacio,Korsika, kam mir dann zum ersten mal der Gedanke auf einem Boot zu Leben. Zwei Jahre später stach ich dann mit meiner damaligen Freundin für sechs Monate in See. Mit der 60Jahre alten, 8.50m langen, ”Seebär” meisterten wir die 240 Schleusen, von Köln bis zum Mittelmeer und bewegten uns dann entlang der Cote d´Azur bis nach Livorno, wo uns der erste Herbststurm überraschte. Danach war uns erst mal die Lust am Segeln vergangen.

- Die “Seebär”, Domizil für sechs Monate, Köln-Livorno.
Wenn einer eine Reise tut…
Vermutlich ist die Idee, ein schwimmendes Refugium zu bauen, die Konsequenz aus 40 Jahren, basteln, reisen, segeln und diversen Bekanntschaften mit Menschen die andere Lebensmodelle haben.
Die erste konkrete Idee entstand aber am anderen Ende der Welt, in Tasmanien. Dort verbrachte ich eine Nacht in einer kleinen Holzhütte, der Craddle Mountain Lodge. Diese Hütte hatte ein kleines Bad, eine kleine Küche und einen kombinierten Wohn-Schlafraum. Vor allem aber einen Holzofen und einen atemberaubenden Blick in den Regenwald. Also alles was man braucht auf engstem Raum aber mit viel Lebensqualität. Das einzige was noch fehlte war das Meer oder ein See. In den nächsten Tagen nahm die schwimmende Hütte erste gedankliche Gestalt an. Bis zum ersten Nagel vergingen dann aber noch zwei Jahre voller Überlegungen, Zweifel, Recherchen und sämtlichen Hochs und Tiefs die so ein Projekt beinhaltet.

- Tasmanien, Craddle Mountain Lodge, in dieser Holzhütte kam mir die Idee
Spare, spare, Häusle baue…
Wenn so ein Boot einmal angeschafft ist und man sämtliche Wartungsarbeiten selber durchführt,hat man ein recht preiswertes schwimmendes Domizil. Man sollte sich aber im klaren darüber sein, dass es ständig irgendetwas zu tun gibt. Bei einer Yacht im Salzwasser und täglichem Segeleinsatz allerdings ungleich mehr, als bei einem Hausboot in ruhigem Süßwasser. Wer sämtliche Arbeiten von einer Werft durchführen lassen möchte, braucht ein großes Budget und lässt sich auch einen grossteil des Erlebnisses “Hausboot” entgehen.
Natur pur!
Wenn man die Möglichkeit hat, sich seinen eigenen Lebensraum zu schaffen, sollte dieser für die Bewohner so angenehm wie möglich und für die Umwelt so wenig belastend wie nötig sein. Mein Ziel ist deshalb ein möglichst autarkes Haus aus lokalen und nachhaltig produzierten Rohstoffen zu schaffen. So sind zum Beispiel die Wände mit Hanf gedämmt (wird sogar staatlich gefördert) und mit nur gering Leimhaltigen OSB Platten (ECO-Siegel) beplattet.
“Echte” Ökos werden aber an Metallwinkeln und Epoxy-GFK beschichteten Rümpfen wenig Freude haben. Da muss jeder seinen goldenen Weg finden.
Ein Solar- und Windgenerator sollen mal die Stromversorgung übernehmen, die über ein 12Volt Netz verteilt wird, zur Zeit steckt der 220v Stecker noch in der Werft-Steckdose. Es werden nur die sparsamsten Elektroverbraucher (Kompressor-Kühlschrank, LED-Leuchten) verwendet. Alles, was Wärme aus Strom erzeugt (Elektro-Herdplatte, Elektro-Durchlauferhitzer), ist tabu, da völlig unwirtschaftlich. Aus eigener Erfahrung ist die größte Herausforderung dabei der Fön der Freundin.
Gekocht wird mit Gas. Macht mehr Spaß und kostet fast nix.
Das größte Problem stellen die menschlichen Abfälle dar. Laut Gesetz ist es auf dem (fliessenden) Rhein zur Zeit noch erlaubt Grau- und Schwarzwasser einzuleiten, aber vor allem bei den Fäkalien, ist mir der Gedanke, in der eigenen Suppe zu schwimmen nicht ganz behaglich. Eine Abpumpstation gibt es noch nicht und so werde ich eine Komposttoilette installieren. Ist bestimmt gewöhnungsbedürftig, aber wenn es funktioniert auch genial einfach. Hundertwasser hat sogar mal ein Gedicht über “Das braune Gold” verfasst. Ich werde berichten.











